Katze trainieren: Alltagssignale statt Zirkustricks
Katzen lassen sich trainieren – und zwar erstaunlich gut. Entscheidend ist, dass das Training für deine Katze sinnvoll ist und sich die Zusammenarbeit für sie lohnt.
Katzen können lernen und trainieren – wenn wir ihnen einen guten Grund dafür geben
„Katzen kann man nicht trainieren.“
Diesen Satz höre ich noch immer regelmäßig. Und jedes Mal denke ich an all die Katzen, die ihre Menschen sehr erfolgreich dazu gebracht haben, um drei Uhr morgens aufzustehen, die Terrassentür zu öffnen oder einen das lang ersehnte Frühstück zu servieren.
Katzen können also durchaus lernen und diese Fähigkeit sogar dazu nutzen, uns etwas beizubringen. Die Frage ist eher, was wir ihnen beibringen und unter welchen Bedingungen sie mit uns zusammenarbeiten möchten.
Katzen sind intelligente, lernfähige Tiere. Sie lernen ein Leben lang und verknüpfen sehr schnell ein bestimmtes Verhalten mit seinen Konsequenzen. Genau diese Lernfähigkeit können wir nutzen, um ihnen hilfreiche Alltagssignale beizubringen.
Dabei gelten allerdings andere Voraussetzungen als beispielsweise beim Training mit einem Hund. Eine Katze arbeitet mit dir zusammen – nicht einfach für dich.
Damit sie mitmacht, muss sich die Zusammenarbeit aus ihrer Sicht lohnen.
Kann man Katzen Signale beibringen?
Absolut, ja! Ein Signal (früher auch „Kommando“ genannt) kündigt eine bestimmte Handlung beziehungsweise Konsequenz an. Wiederholt sich unmittelbar nach einem Signal zuverlässig etwas Angenehmes, kann die Katze beides miteinander verknüpfen.
Dabei muss das Signal nicht immer ein gesprochenes Wort sein. Auch ein Geräusch, eine Handbewegung oder ein bestimmtes Objekt kann zum Signal werden.
Wichtig ist vor allem, dass deine Katze die Verbindung zuverlässig lernen kann und die anschließende Konsequenz für sie relevant ist.
Genau hier unterscheiden sich Katzen mitunter deutlich voneinander. Was für eine Katze der absolute Jackpot ist, lässt die andere ungefähr so begeistert zurück wie ein Mensch, dem man ungefragt ein Motivationsseminar um 7 Uhr morgens schenkt.
Welche Signale sind im Alltag wirklich sinnvoll?
Natürlich macht es Spaß, einer Katze High-Five, Pfote oder andere Tricks beizubringen. Tricktraining fördert die Konzentration, kann das Körpergefühl verbessern und ist eine schöne Form der gemeinsamen Beschäftigung und Bindung.
Für den Alltag sind jedoch Signale besonders wertvoll, die Sicherheit erhöhen und Stress reduzieren.
Dazu gehören beispielsweise:
🐾 der Name der Katze als Aufmerksamkeitssignal
🐾 Super Rückruf
🐾 das freiwillige Einsteigen und entspannte Reisen in der Transportbox
🐾 Warten oder Bleiben
🐾 Medical Training (Berühren, Tabletten geben, Blutabnahmen etc.)
🐾 Kooperation bei Pflege und Untersuchungen
Diese Fähigkeiten können euch über viele Jahre begleiten – beim Tierarztbesuch ebenso wie im ganz normalen Alltag. Es erleichtert eure Kommunikation und das Handling – auch in tendenziell schwierigen Situationen.
Verstehen Katzen ihren Namen?
Ja. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Katzen ihren eigenen Namen von anderen Wörtern unterscheiden können.
Das bedeutet wiederum nicht automatisch, dass sie beim Hören ihres Namens begeistert angerannt kommt. Sie kann sehr wohl wissen, dass du gerade „Minka“ gesagt hast, und gleichzeitig zu dem Schluss kommen: „Aha, ok. Ich bleibe trotzdem hier“.
Entscheidend ist deshalb vor allem, welche Erfahrungen deine Katze mit ihrem Namen verbindet.
Verwendest du ihn überwiegend in angenehmen Situationen, kann er zu einem wertvollen Aufmerksamkeitssignal werden. Wird der Name dagegen regelmäßig mit unangenehmen Dingen verknüpft – etwa Schimpfen, Einfangen oder jede Form von Zwang – kann seine Bedeutung für die Katze entsprechend negativ ausfallen.
Gehe daher bewusst mit dem Namen deiner Katze um und setze ihn in Situationen ein, die für das Tier angenehm sind.
Warum ein Super Rückruf Leben retten kann
Ein zuverlässiger „Super Rückruf“ zählt für mich zu en wichtigsten Signalen überhaupt – für Freigänger wie auch für Wohnungskatzen.
Er kann helfen, eine Katze aus einer gefährlichen Situationen zu holen – beispielsweise wenn eine Wohnungskatze durch die Haustüre entwischt oder du deine Freigängerin suchst und sie bestens getarnt in einem Gebüsch sitzt und sich nicht rührt.
Der Aufbau des Super Rückrufs beginnt bei euch zuhause in einer reizarmen, sicheren Umgebung. Du wählst ein Signal, das du ausschließlich für den Rückruf verwendest und das sich von anderen Signalen und Lauten deutlich unterscheidet. Es kann auch eine bestimmte Pfiffmelodie sein oder ein Fantasiewort. Dieses Signal verküpfst du mit einer besonders hochwertigen Belohnung.
Und damit meine ich wirklich hochwertig! Weg mit gesund, her mit „Hauptsache mega lecker!“.
Zunächst verknüpfst du das Signal mit deiner Jackpot-Belohnung analog zur Konditionierung beim Cickertraining (Signal –> Belohung: ohne weitere Bedingung). Wiederhole mehrfach.
Nun beginnst du, das Signal zu geben, wenn deine Katze ohnehin auf dich zuläuft und gibst die Belohnug. Wiederhole auch das mehrfach.
Nach und nach entsteht die Verknüpfung: Signal –> zu dir kommen –> Jackpot.
Erst wenn diese Verknüpfung zuverlässig funktioniert, wird der Abstand langsam vergrößert und das Training schrittweise anspruchsvoller.
Für eine ausführliche Anleitung zum „Super Rückruf“ schick mir gern eine Nachricht: info@cattalk.de – Ich lasse dir mein Handout zum Thema gern kostenfrei zukommen.
Kann eine Katze „Nein“ lernen?
Grundsätzlich, ja. Viele Katzen lernen, dass ein bestimmtes Wort wie „Nein“ bedeutet: Lass das bitte sein.
Damit dieses Signal allerdings nachhaltig seine gewünschte Wirkung zeigen kann, wird meist ein entscheidender Punkt vergessen:
Ein Abbruchsignal sagt der Katze zunächst lediglich, was sie nicht tun soll.
Aber was soll sie stattdessen tun?
Genau dafür benötigt sie eine sinnvolle Alternative, denn sie macht alles aus einem – für sie – wichtigen Grund. Fehlt eine Alternative zu ihrem aktuellen Verhalten, unterbricht sie es möglicherweise auf dein Signal hin, weiß aber noch nicht, wie sie ihr Bedürfnis stattdessen ausleben kann.
Wenn deine Katze beispielsweise an etwas kratzt, das du lieber unbeschädigt behalten möchtest, reicht ein „Nein“ allein nicht aus. Sie muss eine attraktive Möglichkeit erhalten, ihr Bedürfnis nach Kratzen auszuleben. Der Minikratzbaum im hinteren Eck reicht dafür nicht aus. Deine Katze hat dir bereits gezeigt, wo sie ihre Zeichen setzen möchte. Jetzt gilt es zu verhandeln, wo sie das in unmittelbarer Nähe zu ihrer Wahl an einer artgerechten Alternative ausleben kann.
Training kann daher nur funktionieren, wenn wir nicht nur ein Verhalten abbrechen, sondern gewünschtes Verhalten aufbauen und verstärken – in einer für die Katze artgerechten Weise.
Kann meine Katze „Sitz“, „Bleib“ oder „PFote“ lernen?
Na klar! Viele Katzen lernen solche Übungen schnell und problemlos. Gerade das „Sitz“ ist etwas, das sie im Handumdrehen verknüpfen können.
Trickübungen sind oft eine schöne und leichte Basis, um mit deiner Katze ins Training einzusteigen. Manche von ihnen sind einfach nur lustig, andere wiederum eine Grundlage für Impulskontrolltraining oder Medical Training. Das High-Five ist zweifellos niedlich. Über „Bleib“ wiederum kann deine Katze kleinschrittig lernen, dass sich Warten lohnen kann statt wie ein wild gewordener Handfeger in der Wohnung zu eskalieren.
Mit „Sitz“ und „Warte“ lassen sich viele Alltagssituationen deutlich entspannen. Wuselt dein kleiner Futterstaubsauger schon während der Nahrungszubereitung um deine Beine herum, bringen diese beiden Übungen Ruhe und Orientierung in die Situation.
Deshalb mach ich den Gedanken „Lifeskills statt Zirkustricks“ so gern. Du darfst selbstverständlich Zirkustricks trainieren! Schließlich soll Training auch einfach Spaß machen. Behalte einfach im Hinterkopf, dass es mitunter vielmehr lohnt, Tricks dahingehend aufzubauen, euch im Alltag zu unterstützen.
Transportbox-Training: Wenn die Box nicht mehr den Tierarzt ankündigt
Für die meisten Katzen hat die Transportbox noch immer exakt eine Bedeutung: jetzt geht’s zum Tierarzt.
Tierarzt bzw. Tierärztin bedeutet wiederum ein Raum voller merkwürdiger Gerüche, vielleicht Festhalten, komische Untersuchungen und vielleicht sogar unangenehmen oder zum Teil schmerzhafte Manipulationen.
Kein Wunder, wenn deine Katze beim Anblick der Box spontan entscheidet, dass sie heute leider schon einen sehr wichtigen anderen Termin hat – und verschwindet.
Dabei ist es erstaunlich einfach, die Transportbox positiv zu verknüpfen und damit auch den Gang in die Praxis zu entschärfen. Selbst Katzen mit negativen Erfahrungen können lernen, das mobile Reisemittel eigenständig zu betreten und ohne großes Tamtam darin chauffiert zu werden.
Viele Katzenhalter:innen stellen die Box bereits dauerhaft zugänglich in die Wohnung. Super Basis, reicht nur leider nicht. Deine Katze wird schnell unterscheiden können, wann die Box ein gemütliches Wohnaccessoire ist und wann du mit deinem komischen Blick um die Ecke kommst, um sie gleich einzunkasten.
Das Transportbox-Training ist ein kleinschrittiges, positives Training, bei dem du die Bestandteile der Box (Einlage, Unterteil, Deckel, Türe etc.) nacheinander positiv verknüpfst und letztlich auch die Reise zur Praxis (und andere interessante Orte 😉) als angenehmes Team-Event mit dir gestaltest.
Medical Training: Wenn Kooperation wichtig wird
Rund um die gesundheitliche Versorgung ist Training nicht nur wertvoll, sondern wichtig. Beim Medical Training lernt eine Katze, bei bestimmten Untersuchungen und Pflegemaßnahmen freiwillig und kooperativ mitzumachen. Es ist erstaunlich, wie kooperativ eine Katze selbst bei eher unangenehmen Manipulationen ist, wenn sie darauf kleinschrittig vorbereitet wurde. Sie weiß nicht nur, was auf sie zukommt, sondern erhält beim Medical Training ein Mitspracherecht, was es euch beiden einfacher macht, selbst schwierige Situationen ruhig und umsichtig zu meistern.
Je nach Bedarf können beispielsweise geübt werden:
🐾 Bürsten und Fellpflege (Knötchen, Zecken entfernen)
🐾 Krallen und Pfoten kontrollieren
🐾 Ohren und Augen prüfen und säubern
🐾 Maul öffnen und anschauen
🐾 Tabletten- oder Medikamentengabe
🐾 Spritzen und Blutabnahme
🐾 bestimmte Körperstellen berühren und festhalten
🐾 Untersuchungspositionen einnehmen und halten
Das Ziel besteht nicht darin, eine Katze dazu zu bringen, alles über sich ergehen zu lassen. Im Gegenteil: Gute Kooperation entsteht, wenn die Katze den Ablauf vorhersehen kann, ihre Signale berücksichtigt werden und sie Schritt für Schritt lernt, mit der Situation umzugehen.
Gerade bei regelmäßiger medizinischer Versorgung kann das für Katze und Mensch einen enormen Unterschied machen.
Wie lange sollte ich mit meiner Katze trainieren?
Kurz. Gerade am Anfang reichen meist eine oder zwei Minuten völlig aus.
Mit zunehmender Erfahrung können Trainingseinheiten auf einige Minuten verlängert werden (meist bis zu 5 Min.). Entscheidend ist jedoch nicht die Länge, sondern die Qualität des Trainings. Mehrere kurze Einheiten sind meist sinnvoller als eine lange Trainingseinheit, bei der die Katze überfordert und/ oder unkonzentriert ist.
Beende das Training daher möglichst dann, wenn deine Katze noch motiviert ist.
Wenn sie unkonzentriert wird, sich abwendig, hudelig wird oder sogar aus der Situation geht, war das für dich eine wichtige Information: Das Training war zu lang, zu schwierig oder vielleicht zu unruhig. Möglicherweise hat sie aber auch eine andere Vorstellung einer wertigen Belohnung. 😉
Training darf den Alltag leichter machen
Katzentraining muss kein tägliches Großprojekt werden, das euch zusätzlich belastet. Es kann aus wenigen Minuten bestehen, die ihr gemeinsam fokussiert verbringt.
Dabei übt ihr Fähigkeiten, die später ganz selbstverständlich abrufbar sind (und bitte trotzdem weiterhin eine Belohnung folgen lassen): Deine Katze kommt auf dein Rückruf-Signal, geht freiwillig in ihre Transportbox oder wartet geduldig auf ihrem Sitztarget bis du ihr Futter zubereitet hast.
Vielleicht lernt sie auch nebenbei ein High-Five oder den Sprung durch einen Reifen. Warum auch nicht?
Der entscheidende Unterschied liegt darin, wofür wir die Lernfähigkeit unserer Katzen einsetzen. Training kann dazu beitragen, dass ihr beide euren Alltag besser bewältigen könnt. Denn wenn deine Katzen schon so intelligent ist, dich erfolgreich morgens um 5 Uhr aus dem Bett zu krähen, können wir diese Fähigkeiten auch für etwas Sinnvolles nutzen (und zusätzlich deiner Katze bitte auch in der Nacht eine kleine Futterportion anbieten, damit sie gar keinen Grund mehr hat, dich morgens aus dem Bett zu werfen…).
Fazit
Katzen lassen sich ausgezeichnet trainieren. Sie lernen schnell und ihr Leben lang – wenn die Aufgabe verständlich, das Training individuell ist und sich die Zusammenarbeit für sie lohnt.
Besonders wertvoll sind Signale, die euch im Alltag Sicherheit geben und Stress reduzieren: Name, Rückruf, Transportbox, Warten und Medical Training gehören für mich deshalb zu den wichtigsten Grundlagen.
Und genau deshalb darf Katzentraining mehr sein als ein niedlicher Trick für Instagram. Es kann deiner Katze helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen – und dir dabei, sie besser zu verstehen.