Wenn deine Katze faucht, kann das schnell zu Verunsicherung führen. Vielleicht denkst du, sie würde dich nicht mehr mögen oder sie sei gar aggressiv. Daher ist meist das Gegenteil der Fall: Mit dem Fauchen versucht sie vielmehr, auf etwas Wichtiges aufmerksam zu machen – und du solltest jetzt umso genauer hinschauen.
Warum Fauchen eine der vielleicht wichtigsten Botschaften deiner Katze ist und weshalb du darüber sogar froh sein kannst, erfährst du in diesem Beitrag.
„Sie hat ganz plötzlich gefaucht!“
Diesen Satze höre ich in meinen Beratungen immer wieder. Und fast immer folgt darauf auch gleich die Frage: „Warum macht sie das auf einmal? Sie wollte doch gestreichelt werden!“
Tatsächlich fauchen Katzen selten ohne Vorwanung. Häufig haben sie bereits viele kleine Signale gesendet – wir haben sie nur nicht als solche erkannt. Genau deshalb ist Fauchen für mich zunächst nur eine Information – so wie jedes Katzenverhalten. In diesem Fall ist deine Katze mit einem Fauchen sogar noch sehr höflich – immerhin hat sie nicht direkt die Pfote raus gepackt.
Fauchen ist keine Aggression wie wir sie definieren
Viele Menschen erschrecken oder fühlen sich persönlich angegriffen, wenn ihre Katze faucht. Das Geräusch wirkt artübergreifend bedrohlich (selbst Schlangen verstehen es als Warnlaut) und wird schnell als „boshaft“ oder „aggressiv“ interpretiert. Dabei verfolgt das Fauchen meist ein ganz anderes Ziel, denn es soll primär Abstand schaffen.
Die Botschaft lautet „Stop! Du kommst mir zu nahe.“ oder auch „Das ist mir gerade zu viel.“ oder auch ganz schlicht „Ich fühle mich gerade nicht sicher.“
Mit anderen Worten. Die Katze versucht, dich auf ihre Grenzen hinzuweisen und eine Eskalation zu vermeiden. Sie sagt deutlich Bescheid, bevor sie sich gezwungen sieht, drastischere Mittel einzusetzen.
Eigentlich ist das ausgesprochen fair, oder?
Katzen kommunizieren lange, bevor sie fauchen
Das Fauchen ist nur selten das erste Signal einer atze. Oft übersehen wir die zuvor gesendeten Signale oder bewerten sie falsch. Manchmal dreht die Katze den körper weg oder fixiert deine stetig streichelnde Hand mit ihrem Blick. Vielleicht spannt sie ihren Körper an oder verlagert ihr Gewicht ein wenig von dir weg. Ihre Pupillen werden vielleicht größer, oder die Ohren wandern leicht zur Seite. Der Schwanz zuckt oder peitscht. Manche Katzen verlassen auch zunächst die Situation.
All das sind sehr höfliche Hinweise darauf, dass ihr etwas unangenehm wird.
Wer diese Signale erkennt und respektiert, erlebt meist, dass es gar nicht erst zum Fauchen kommt.
„Aber sie hat sich doch zu mir gelegt. Sie wollte gestreichelt werden“.
Ja, das kann durchaus sein – aber ebenso kann es sein, dass es ihr dann zu viel geworden ist. Vielleicht würde sie gern bei dir liegen bleiben, aber nicht mehr gestreichelt werden. – So wie auch wir Menschen manchmal die Nähe eines anderen schätzen, aber nicht zwangsläufig ständig Körperkontakt möchten.
Warum Katzen überhaupt fauchen
Fauchen ist mehr oder weniger ein „Stopp-Signal“ oder auch ein „Abstandshalter“. Es fungiert also als defensive Lautgebung – alles andere als aggressive. Die Gründe wiederum können sehr unterschiedlich sein. Manchmal auch eine Mischung aus mehreren Ursachen.Schmerzen
Ein besonders wichtiger Punkt wird leider noch immer unterschätzt. Katzen mit Schmerzen reagieren häufig empfindlicher auf Berührungen oder Annäherung und reagieren teilweise insgesamt gereizter. Von Arthrose über Zahnschmerzen und Bauchschmerzen hin zu Blasenentzündungen und vielem mehr. Katzen haben leider allzu oft unbemerkt Schmerzen, – und all das kann dazu führen, dass eine ansonsten freundliche Katze plötzlich faucht. Gerade wenn dieses Verhalten neu auftritt, solltest du immer zunächst eine medizinische Ursache ausschließen.Angst & Unsicherheit
Viele Katzen fauchen, wenn sie sich bedroht fühlen. Das kann durch eine fremde Person sein, eine zu schnelle Annäherung (auch vertrauter Menschen), ein Hund, eine andere Katze. Ja, selbst der Staubsauger kann an einem Tag besonders bedrohlich wirken und die Miez‘ aus der Fassung bringen. Fauchen soll Distanz schaffen und gibt der Katze die Chance, eine unangenehme Situation ohne körperliche Auseinandersetzung zu lösen.Missverständnisse zwischen Katzen
Im Mehrkatzenhaushalt gehört Fauchen zur arttypischen Kommunikation und setzt hier ebenso Grenzen. Eine Katze könnte damit beispielsweise sagen: „Hey, der Platz gehört gerade mir.“ „Rück mir nicht so auf die Pelle!“ oder vieleicht: „Aua! Spiel nicht so grob!“ Nicht jedes Fauchen bedeutet direkt eine angespannte Beziehung. Wichtig ist, wie das Gegenüber auf ein Fauchen reagiert und wie der Gesamtalltag der Katzen aussieht. Geht die angefauchte Katze darauf ein und stoppt ihre Handlung? Sendet sie vielleicht eine Beschwichtigungsgeste – und im nächsten Moment können die beiden wieder entspannt miteinander umgehen? Dann hat das Fauchen lediglich eine kurze, unangenehme Situation streitfrei gelöst.Was du jetzt auf keinen Fall tun solltest
Viele Menschen reagieren instinktiv. Sie schimpfen oder schieben die Katze weg. Vielleicht versuchen sie auch, ihr zu zeigen, dass „doch gar nichts passiert ist“.
Aus Sicht der Katze bestätigt diese Reaktion jedoch häufig genau das, wovor sie sich gerade schützen möchte.
Wenn deine Katze faucht, solltest du stattdessen innehalten und dich fragen: „Was könnte sie mir gerade zeigen wollen?“
Dieser kleine Perspektivwechsel macht häufig einen großen Unterschied.
Was stattdessen hilft
Die wichtigste Antwort auf Fauchen ist überraschend einfach: Hör genau zu!
Nimm ihre Kommunikation ernst und reagiere deeskalierend.
Hilfreich sind zum Beispiel:
- Abstand geben und Beschwichtigungsgesten zeigen (langsames Augenblinzeln, Blick abwenden)
- Stressoren erkennen und minimieren
- Schmerzen tierärztlich abklären und behandeln lassen
- Berührungen kleinschrittig positiv aufbauen
- die Körpersprache der Katze bewusster beobachten und Rücksicht darauf nehmen
Je häufiger deine Katze erlebt, dass ihre freundlichen Signale verstanden werden, desto seltener muss sie zu deutlicheren greifen.
Häufig erlebst du gleichzeitig, dass sich deine Katze wieder mehr annähert, Berührungen besser zulassen kann und dir mehr vertraut als zuvor – weil du auf sie eingehst und Rücksichtig nimmst. Sie erlebt Selbstwirksamkeit und wird in ihrer Persönlichkeit wahrgenommen.
Eine kleine Veränderung mit großer Wirkung
In meinen Beratungen erlebe ich oft einen sehr schönen Moment. Menschen beginnen, nicht mehr gegen ein bestimmtes Verhalten ihrer Katze zu arbeiten, sondern mit ihr. Sie achten darauf, wann ihre Katze Kontakt sucht. Sie fragen – bildlich gesprochen – höflich nach, bevor sie sie berühren. Sie respektieren ein „Nein“.
Und erstaunlich oft passiert genau dann etwas, womit viele nicht gerechnet hätten: Die Katze sucht von sich aus häufiger die Nähe – und sagt „ja“ zu einer Berührung. Nicht, weil sie muss. Sie hat gelernt, dass ihre Grenzen ernst genommen werden.
Gibt es eine schönere Form der Zuwendung als eine völlig freiwillige?
Mein persönlicher Blick auf das Fauchen
Ich bin tatsächlich dankbar, wenn eine Katze (mal) faucht. Sie kommuniziert und versucht, eine Lösung zu finden, ohne jemanden zu verletzen. Für mich ist Fauchen kein Zeichen einer „bösen“ Katze. Es ist ein Zeichen dafür, dass sie darauf vertraut, gehört zu werden und ihre Grenzen setzt. Und genau deshalb sollten wir sie nicht enttäuschen.
Fazit
Wenn deine Katze faucht, steckt dahinter ein guter Grund – immer!
Vielleicht hat sie Angst oder ist überfordert.
Möglicherweise hat sie Schmerzen oder ihr ist unwohl.
Vielleicht braucht sie einfach etwas mehr Abstand – oder möchte sogar in deiner Nähe bleiben, aber nicht mehr berührt werden.
Anstatt nur das Fauchen möglichst schnell abzustellen, lohnt es sich, die eigentliche Botschaft dahinter zu verstehen.
Denn jede Katze, die faucht, gibt uns noch eine Chance.
Eine Chance ihr zuzuhören, bevor sie glaubt, sich anders helfen zu müssen.
Wann hat deine Katze dir zuletzt ein deutliches „Stopp“ gezeigt – und hast du erkannt, was sie dir damit eigentlich sagen wollte?
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